Die letzten Zeitzeugen erinnern sich

Für dieses Buch hat Ute Mank stundenlang den Kriegserinnerungen alter Männer zugehört, die als sehr junge Männer in den Krieg gezogen waren. Sie gehören zu den letzten Zeitzeugen. Ihre Erinnerungen sind daher auch ein Vermächtnis, das uns alle angeht, ein Baustein unserer Erinnerungskultur.

Die Erziehungswissenschaftlerin hat diesen Männern zugehört, ohne sie zu unterbrechen, zu kritisieren, zu konfrontieren, zu belehren. Maßgebend war viel eher: Wie wirken diese Erzählungen auf sie? Welche Fantasien und Gefühle steigen in ihr auf? Das wurde zum Material und zum Werkzeug für die Untersuchung der Interviews. Es führte zu den verborgenen und verleugneten Ebenen: anhaltender Antisemitismus, ungebrochene Identifikation mit dem Nationalsozialismus und Enttäuschung darüber, dass die grandiose Zukunft ausgefallen ist.

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Was die Erinnerungskultur in unserem Land angeht, ist das Thema also noch nicht erledigt. Im Gegenteil. Es wird Aufgabe der Enkel und besonders der Urenkel sein – weil sie den größten biographischen Abstand zur Tätergeneration haben – der Erinnerungskultur noch eine Dimension hinzuzufügen. Es gilt, die Beteiligung von Menschen aus der persönlichen Umgebung nicht mehr von vornherein auszuschließen, nach dem Motto „Opa war kein Nazi“ (Harald Welzer und Mitautoren).

In dem Buch zeichnet Ute Mank die Interviews ausführlich nach und stellt sie der kollektiven Erinnerungskultur gegenüber.

Die Selbstentwürfe der ehemaligen Soldaten wurden von Ute Mank zusammen mit einer Gruppe von geschulten Wissenschaftlern tiefenhermeneutisch interpretiert, eine psychoanalytische Methode, zu der neben der Deutung auch die ganz persönlichen Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema gehört.

Die Erinnerungen der Veteranen zeigen sich als geschlossenes Bild, dass sie von sich selbst als Akteure im damaligen Geschehen entwickelt haben. Es sind Selbstentwürfe, für die ich jeweils eine Bezeichnung gefunden habe: es gibt den Ohnmächtigen, den Bekenner oder auch den Friedliebenden.

Das Buch ist im Campus-Verlag erschienen.

 

Rezension von Christiane Wienand („Archiv für Sozialgeschichte“, Jahresschrift der Friedrich-Ebert-Stiftung):

„Insgesamt hat Ute Mank ein verständlich geschriebenes und den Zeitzeugen ein angemessenes, kritisches Verständnis entgegenbringendes Buch verfasst, das zum Nachdenken für die Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs anregt und unsere Kentnisse über die Erinnerung an diesen Krieg vertieft und ergänzt.“

Für die komplette Rezension klicken Sie hier: Archiv für Sozialgeschichte

 

Stimmen zum Buch auf Amazon:

„Ein bemerkenswertes Buch“

„Vergangenheitsbewältigung der besseren Art“